Die Engel in Schwarz- Weiß:
Warum Service-Outfits mehr über dein Restaurant verraten als die Speisekarte

Kleidung, ein Dresscode – die Art und Weise, wie ich mich kleide, verfolgt eine ganz bestimmte Funktion: Den ersten Eindruck.

Dieser entscheidet zumindest über den Verlauf der nächsten zwanzig Minuten einer sozialen Interaktion.
Auf die Gastronomie bezogen bedeutet das Folgendes: So wie mein Servicepersonal gekleidet ist, so wird mein Restaurant, meine Mitarbeiter*innen, meine Speisen und Getränke und folglich auch ich als Eigentümer repräsentiert.

„Über Kleidung zeigen wir, wer wir sind, ohne etwas zu sagen.“

Das heißt also: So wie mein Servicepersonal angezogen ist, so nehmen mich auch meine Gäste wahr.

Ein Kellner in Hoodie und Baggie-Jeans in einem Café, das sich auf Flat Whites und Matcha Lattes spezialisiert hat, ist nahezu perfekt gekleidet. Er verkörpert den Lebensstil, den die Gäste dort erleben wollen. Stellen Sie sich nun denselben Kellner in der gleichen Kleidung in einem Fünf-Sterne-Haus beim Candle-Light-Dinner vor. „Fehl am Platz“, würden die meisten sagen – selbst wenn der Kaffee dort genauso viel kostet.

Kleidung hat auch etwas mit Wertschätzung gegenüber dem Gegenüber zu tun. Ich gebe mir Mühe für dich. Genau das sollte doch der Anspruch guter Gastronomie sein: Sich Mühe geben – für den Gast, für den Abend, für die Erfahrung, die wir gemeinsam versuchen, den Gästen zu bescheren.

Meinen Opa – ein leidenschaftlicher Gastronom, der in den goldenen Sechzigern gelernt hat – habe ich bis zu seiner Rente einzig und allein in weißem Hemd und Weste gesehen. Auf die Frage nach dem Warum kam immer die gleiche Antwort: „Das ist ordentlich.“

Heute weiß ich: Er hatte recht! Natürlich kann die Weste nach Dienstende wieder abgelegt werden, aber in dem Moment, in dem den Gästen etwas auf solch hohem Niveau präsentiert wird, geht es darum, „ordentlich“ zu sein.

Während die Köche in der Küche mit Pinzetten jedes Blatt einzeln auf dem Teller justieren und der Barkeeper penibel darauf achtet, 4 cl und nicht 3,8 cl Campari in den Aperitif zu geben, um Perfektion zu schaffen, geht es im Service darum, dieses Werk ordentlich und wertschätzend zu präsentieren.

Und so schnell sind alle glücklich.

Kleidung im Service ist nicht nur ein Dresscode – sie ist eine Botschaft. Sie vermittelt Haltung, Respekt und Anspruch. Sie schafft Vertrauen, unterstreicht Professionalität und sorgt für die perfekte Atmosphäre. Denn am Ende ist es genau diese Liebe zum Detail, die einen gelungenen Abend unvergesslich macht.

Beitrag von Julius M. Nagel